Die Überlebenschancen bei einem Herzstillstand steigen stetig

Menschen, die ein grosses Herz haben und anpacken können

Wenn es um Leben oder Tod geht, kann Beat Baumgartner keine Rambos gebrauchen. «Sondern Menschen, die ein grosses Herz haben und anpacken können», sagt er. Baumgartner ist Präsident der «First Responder» im Kanton Bern. First Responder sind Ersthelferinnen und Ersthelfer, die bei Herznotfällen alarmiert werden – und meistens vor den Rettungsdiensten vor Ort sind.

2700 First Responder gibt es im Kanton Bern, in allen Zentren, aber auch Ecken und Enden des Kantons. «Gute Typen» seien das, sagt Baumgartner. Diese geschulten Laien seien eine sehr günstige Art, um Leben zu retten. «Wo gibt es das sonst noch in der Medizin?» Je dichter das Netz, desto kürzer die Interventionszeit im Ernstfall. Das ist wichtig. «Dann zählt jede Sekunde.»

Das konnte die Welt am vergangenen Samstag beobachten. Der dänische Fussballspieler Christian Eriksen sackte während des EM-Matchs gegen Finnland plötzlich zusammen und blieb reglos liegen. Sofort kümmerten sich Mitspieler um ihn, winkten Hilfe herbei. Kurz darauf rannten Ärzte und Sanitäter aufs Feld und begannen damit, Eriksen mit Herzmassage und einem Defibrillator zu reanimieren.

Rasche Hilfe entscheidend

Eriksen erlitt einen Herzstillstand. Der dänische Teamarzt erklärte später, der Spieler sei bewusstlos gewesen. Auf einmal habe er keinen Puls mehr gehabt. «Wir haben es geschafft, Christian zurückzuholen.» Diese schnelle und professionelle Hilfe war das Glück Eriksens. Er überlebte und erhält nun einen implantierbaren Defibrillator (ICD), ähnlich einem Herzschrittmacher.

Eriksen habe Kammerflimmern – «die tödlichste aller Herzrhythmusstörungen» –erlitten, sagt Tobias Reichlin, stellvertretender Chefarzt Kardiologie sowie Leiter Rhythmologie und kardiale Elektrophysiologie am Berner Inselspital. Dabei handle es sich um einen Herzstillstand wegen eines «elektrischen Chaos in der unteren Herzkammer». In einem solchen Fall hänge es davon ab, wie schnell jemand vor Ort erkenne, was Sache ist.

Kammerflimmern sei häufig die Folge eines Herzinfarkts, der durch den Verschluss eines Blutgefässes verursacht wird. Die oft tödliche Herzrhythmusstörung könne aber auch bei angeborenen Herzerkrankungen auftreten. «Das passiert häufig bei einer körperlichen Belastung», sagt Herzspezialist Reichlin. Aber auch Herzmuskelentzündungen – etwa als Folge einer Lungenentzündung – können ursächlich sein. Deshalb trifft es nicht nur ältere Menschen, sondern auch Junge, gerade beim Sport.

Immer mehr Defibrillatoren

In einem solchen Fall müsse man sofort mit den Kompressionen des Brustkorbs als Herzdruckmassage beginnen. «Damit wird ein minimaler Anteil Blut befördert.» Und das Gehirn mit Sauerstoff versorgt. Das ist wichtig, sonst sei ein Gehirn nach drei bis vier Minuten geschädigt und nach zehn Minuten tot. Andererseits müsse das Kammerflimmern im Herzen beendet werden. Dafür nötig ist ein Stromstoss – also ein Defibrillator.

Die Zahl der öffentlich zugänglichen Defibrillatoren steigt stetig. Im Geoportal des Kantons Bern sind
sämtliche Standorte in einer Karte eingezeichnet und beschrieben. Die Zahl der rund um die Uhr verfügbaren Geräte beträgt mittlerweile rund 750. Kleiner ist die Zahl der Geräte, die nur temporär erreichbar sind. «Wir sind heute weiter als noch vor zehn Jahren», sagt deshalb Reichlin.

Als Faustregel gilt laut Reichlin: Kann ein Betroffener nach einem Herzstillstand dem Rettungssanitäter Grüessech sagen, dann lägen die Überlebenschancen bei über 90 Prozent. Andernfalls stelle sich insbesondere die Frage, wie gut sein Gehirn die Phase des Herzstillstandes überstanden habe. Deshalb sei der unverzügliche Beginn der Herzdruckmassage so wichtig. «Jeder Einzelne im Alltag kann seinen Beitrag leisten – und damit unter Umständen Leben retten.»

Reise ins Ungewisse

Aber bei rascher Hilfe sei dies stets «eine Reise ins Ungewisse», sagt Insel-Kardiologe Reichlin. Tatsächlich überleben die wenigsten Menschen einen Herz-Kreislauf-Stillstand, wenn sie sich nicht im Spital befinden. In der Schweiz liegt die Zahl bei rund 5 Prozent. Laut der Schweizerischen Herzstiftung sind pro Jahr bis zu 8000 Personen in der Schweiz betroffen, also etwa eine pro 1000 Einwohnerinnen und Einwohner.

«Diese Zahl könnte wesentlich höher sein», erklärt Peter Ferloni, Sprecher der Herzstiftung. Und zwar dann, wenn es mehr Laien gäbe, welche die Herz-Lungen-Wiederbelebungstechnik kennen würden und allenfalls auch einen Defibrillator anwenden könnten. «Denn mit jeder Minute sinkt die Überlebenschance um 10Prozent.» Deshalb seien die First-Responder-Netze so wichtig.

Laut der Herzstiftung ist der Kanton Tessin in der Schweiz führend. Aufgrund der hohen Zahl an First Repondern wie auch an Defibrillatoren sei die Überlebenschance bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand ausserhalb des Spitals höher als im Rest des Landes, so Ferloni. Sie betrage bis zu 50 Prozent. Aus dem Kanton Bern hat die Stiftung keine Zahlen. In mehreren Kantonen gibt es noch kein First-Responder-Netz.

Netz wird immer dichter

Im Kanton Bern ging die Initiative für die First Responder vor zehn Jahren vom Rettungsdienst des Spitals STS (Simmental-Thun-Saanenland) aus. Vor fünf Jahren wurde schliesslich der Verein gegründet. Präsident Beat Baumgartner ist selbst Leiter des Rettungsdiensts des Spitals STS. «Ein Rettungsdienst braucht im Schnitt 13 Minuten bis zum Einsatzort», sagt er. Bei Herzstillständen ist das zu spät.

Baumgartner wünschte sich noch ein dichteres Netz an Ersthelfenden. Ihm schweben 5000 First Responder vor, und sein Ziel ist es, dass im Schnitt jeden Tag eine Person neu dazukommt. Besonders erfreulich findet er dafür, dass sich einzelne Feuerwehren beteiligten. Das habe sich gerade erst vor zwei Wochen in einem Fall im Oberland ausbezahlt. «Der Einsatzleiter einer Feuerwehr hat mit der Reanimation begonnen, bis die Ambulanz eintraf.»

Sein grösster Wunsch wäre es, dass sich auch die Kantonspolizei Bern im Netz der First Responder beteiligt. «Die Polizei ist in allen Gegenden präsent, in den Fahrzeugen für den Notfall ausgerüstet und mobil.» Viele Polizisten machten privat im Netzwerk mit, die Polizei als Ganzes jedoch nicht. «Sie hätte sehr schnelle Interventionszeiten, ohne dass sie ihren Kernauftrag vernachlässigen müsste.»

Polizei plant keinen Beitritt

Doch so bald dürfte Baumgartners Wunsch nicht erfüllt werden. «Aktuell ist kein Beitritt vorgesehen», erklärt Patrick Jean, Sprecher der Kantonspolizei Bern. Die Patrouillen seien primär mit Strafverfolgung und präventiver Präsenz beauftragt und im Kanton verteilt. Als Blaulichtorganisation werde die Polizei bei Notfällen aber unmittelbar informiert.

Die Mitarbeitenden der Kantonspolizei seien in der Anwendung von Defibrillatoren geschult und würden regelmässig in der Ersten Hilfe aus- und weitergebildet, so Jean. Wenn es angebracht sei, könne eine Patrouille auch ohne Zugehörigkeit zum First-Responder-Netz beigezogen werden.


Erste Hilfe im Kanton Bern – Die Überlebenschancen bei einem Herzstillstand steigen stetig |

Autor: Johannes Reichen, Foto: Raphael Moser
Quelle: Thuner Tagblatt

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