04. Juni 2019

Ausbildung eines Laien mitten von Profis

Dieser Erfahrungsbericht entsteht aus der persönlichen Sicht eines Laien, der in einem Basiskurs die Herzdruckmassage gelernt hat. Inmitten von Profis, die ihres Berufes wegen, wiederholte Male den Kurs auffrischen müssen. Dürfen, denkt der Laie. 

Nach der Schnellbleiche ist er nämlich schwer beeindruckt über das Gelernte, wie lange es dauert und wie kräftig es zu und her geht, ein Leben am seidenen Faden mit Herzdruckmassage festzutauen bis der lebensrettende Stromstoss vor Ort ist. Und dass Routine bestimmt hilft.

Trau'dich und drück!

Dabei hat Laie zum Glück nur an einem Dummie geübt und wurde in Takt, Tiefe und Durchhaltevermögen gemessen. 81% war die Überlebenschance, die der Laie in Zusammenarbeit mit einem Kurskollegen der Trainingspuppe geben konnte. 7 Minuten lang, 30 Herzdruckstösse, 2 Atemstösse bis zum Eintreffen und Ansetzen des Schockgerätes AED. Schürfungen von den Armbändern und Schweissperlen inklusive. Das Video hier zeigt, was es für Anstrengungen braucht - soustitré en français pour nos amis romands. 

Der lebensrettende Stromstoss aus dem Defibrillator ist oft nicht grad zur Hand oder direkt am Einsatzort der Rettung. Auch der First Responder kann leider in vielen Teilen der Schweiz nicht schnell genug in lebensrettender Nähe sein. Weshalb resQshock in grosser Mission ja darüber schreibt, aufklärt und initiiert. Und weshalb der Laie endlich in einen Kurs ging und nachdenkt, weitere Kurse bis zum First Responder zu besuchen.  

Die 30 Stösse mitten auf den Brustkorb, dort wo das Brustbein und BH zusammentreffen erfordern nicht nur Kraft, aber eben auch Tiefe von mindestens 5 bis 6 cm. Je nach Dicke des Brustkorbes sind das noch mehr. Mindestens einen Drittel muss reingedrückt werden. Die eine Hand flach, die andere darüber gekreuzt. Tief genug und im Takt. Das Gerät an der Kurspuppe misst laufend, ob Rhythmus und Tiefe stimmen. Die Beatmung ist dank einer Maske angenehm, dabei dennoch zu oft vergessen, den Kopf nach hinten zu drücken.  Das geht solange, bis Hilfe mit einem Defibrillator kommt. Das kann ein Passant sein, der zum nächsten Defibrillator rennt oder ein via App aufgebotener First Responder. Hauptsache, es wird bis dahin Herz gedrückt und beatmet. 

Das Anlegen des Defibrillators war danach schon fast erholsam: Deckel auf und er spricht mit dir, sogar ein Metronom gibt es, um den Takt zu halten. Er spricht, leitet und gibt Sicherheitsangaben. Wegzutreten, den Patienten nicht mehr zu berühren, wenn der Stromstoss erfolgt. Der Defibrillator misst erst die Herzfrequenz und gibt synchron vor, wann die 30 Herzdruckstösse und die zwei Beatmungen vorzunehmen sind. Die Badges mit den Elektroden links und rechts am Brustkorb anzulegen, ist auch leicht – das Einstellen von Erwachsenen oder Kindermodus auch. Den blinkenden roten Knopf drücken auch.  

Die Erkenntnis, dass nichts zu tun, das fatalste ist, war für den Laien das eine. Das zweite Aha-Erlebnis war, sich überhaupt zu trauen, auch wenn Laie schon von Erzählungen und Blut schlecht wird. Wer sich selber mal ins Brustbrein drücken will, weiss wie hart es sich dort anfühlt. Warum nur wollen nicht mehr Menschen andere vor dem Herzkreisstillstand retten? Der Laie wüsste nun ansatzweise wie. Im Tessin auch. Aber Hilfe holen, das kann’ nun wirklich jeder und das Netz an Defibrillatoren wird auch dichter. Laie bleibt zuversichtlich.