Warum bleibt das Herz eines Sportlers plötzlich stehen?

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Verschiedene medizinische Tests müssen nun zeigen, warum das Herz des Fussballprofis Christian Eriksen plötzlich zu schlagen aufhörte.

«Genau davor haben wir Angst», sagt Herzspezialist Ardan Saguner, wenn er an die Bilder vom Zusammenbruch des dänischen Nationalspielers Christian Eriksen vom Samstag zurückdenkt. «Ein plötzlicher Herztod war mein erster Gedanke, als ich sah, wie Eriksen ohne Fremdeinwirkung kollabierte», sagt der Kardiologe vom Universitätsspital Zürich, der das Spiel live am Fernseher verfolgte. Der plötzliche Herztod und seine Ursachen gehören zu seinem Spezialgebiet.

Saguner ist auch an einem Pilotprojekt des Unispitals zu den genetischen Ursachen dieser Krankheitsbilder beteiligt. Das Projekt steht kurz vor dem Abschluss. Das Unispital führt es gemeinsam mit den Instituten für Rechtsmedizin und Molekulargenetik durch. Es soll dazu beitragen, Vorkommnisse wie am Samstag auf dem Fussballplatz zu verhindern. Eriksen war im Europameisterschaftsspiel gegen Finnland kurz vor Ende der ersten Halbzeit zusammengebrochen und musste auf dem Platz reanimiert werden. (Mehr zum Drama um Christian Eriksen: «Danke an alle, ich werde nicht aufgeben.»)

Zwei Ansätze einer Erklärung

Wenn ein junger, topfitter Fussballer aus dem Nichts kollabiert, stehen zwei Erklärungsansätze im Vordergrund. «Es kann eine angeborene, unentdeckte Herzerkrankung oder aber eine Herzmuskelentzündung dahinterstecken», sagt Saguner.

Das Heimtückische daran: Manchmal erkennt man diese Leiden erst, wenn es zu spät ist und sie lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen auslösen. Dann kommt es gar zu Kammerflimmern im Herzen. Das heisst, die normalerweise zielgerichteten elektrischen Impulse im Herz spielen verrückt. Als Folge zieht sich der Herzmuskel nicht mehr zusammen, das Herz droht stehen zu bleiben. «Schon das erstmalige Auftreten von Symptomen kann deshalb leider tödlich enden».

Ein Defibrillator, wie er auch im Falle Eriksens zum Einsatz kam, rettet dann Leben. Der Däne hatte Glück im Unglück, weil die medizinischen Teams so rasch zur Stelle waren. Der Defibrillator bringt das Herz zurück in den Takt, der Muskel zieht sich wieder geregelt zusammen und pumpt das Blut durch den Körper und vor allem zum Gehirn. «Wenn das wie bei Eriksen so schnell gelingt, und der Patient sogar das Bewusstsein wiedererlangt, ist das ein gutes Zeichen», sagt Saguner.

Am Dienstag meldete sich der dänische Fussballer erstmals selbst auf Instagram mit einem Gruss aus dem Spital in Kopenhagen. Zu einem Selfie, auf dem er den Daumen nach oben zeigt, bedankt er sich für die wunderbaren Grussbotschaften aus aller Welt. Das bedeute ihm und seiner Familie sehr viel, schreibt Eriksen, ihm gehe es, unter den besonderen Umständen, gut. Er müsse aber noch weitere Tests im Krankenhaus absolvieren, er werde sein Team bei den nächsten Spielen aber anfeuern.

Fussballprofis durchlaufen zwar ausführliche medizinische Checks, gerade in Italien, wo Eriksen seit 2020 bei Inter Mailand spielt. «Im Frühstadium kann es sein, dass diese Krankheiten sogar bei einem EKG und Herzultraschall nicht auffallen», sagt Saguner. Das zeigt auch eine Studie, die 2018 im «New England Journal of Medicine» erschienen war. Bei einer Analyse des Screeningsystems für junge Fussballprofis in England wiesen die Autoren nach, dass das Screening 75 Prozent der Fälle mit plötzlichem Herztod nicht aufspüren konnte.

Die genetisch bedingten Herzkrankheiten äussern sich unterschiedlich. In manchen Fällen verdickt der Herzmuskel, was gefährliche Rhythmusstörungen auslösen kann. Der englische Ex-Fussballprofi Fabrice Muamba, der 2012 während eines Spiels zusammenbrach, leidet an einer solchen Verdickung. Anders als bei Eriksen brauchten die Ärzte bei ihm mehr als eine Stunde, bis sein Herz wieder selbstständig schlug. In der Diagnose und Erkennung einer besonderen Form dieser Störungen, den arrhythmogenen rechtsventrikulären Kardiomyopathien, ist das Unispital Zürich weltweit führend.

Bisher wissen die Experten von mehr als 50 Genen, die diese Herzkrankheiten verursachen. «Vermutlich sind es noch viele mehr, die wir noch nicht identifiziert haben», sagt Saguner. Männer sind häufiger betroffen als Frauen. Nicht nur Verdickungen des Herzmuskels können das Problem sein, andere ebenfalls genetisch bedingte Krankheitsbilder stören die elektrische Signalübertragung im Herzen. Sie heissen Ionenkanal-Erkrankungen.

Alexandra Bröhm

Publiziert: 15.06.2021, 19:53, tagesanzeiger.ch

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