04. Dezember 2019

Defibrillator kostenlos

Werbefirma sackt Sponsorengelder ein. Eine üble Masche mit Sponsoringverträgen.

Die Idee ist besticht: Die Firma PMS Öffentlichkeitswerbung GmbH (neu SAM Swiss Media Advertising and Marketing GmbH) stellt, Vereinen, Gemeinden, Heimen und karitativen Institutionen gratis Defibrillatoren zur Verfügung. Für die Finanzierung sucht die PMS in den umliegenden Gemeinden Sponsoren, meistens Gewerbler, die als Gegenleistung kostenlos Werbung platzieren dürfen.

Defibrillator gratis! PMS / SAM kassiert bis zu 79 Prozent der Spenden

Der üble Trick der PMS: Die PMS macht keine Abrechnungen. Weder die Sponsoren noch Heime, Gemeinden, Vereine oder karitative Organisationen erfahren, wieviel Geld dem guten Zweck zukommt und wieviel die PMS jeweils selber einsteckt. 


PMS / SAM «sponsert» Defibrillatoren. Ein Gerät kostet 2000.- bis 3000.- Franken. Es wird neben eine Werbetafel gehängt. Die PMS sucht Sponsoren, die diese Werbefläche bezahlen. Die Werbeeinnahmen für die Werbetafel budgetiert PMS mit 60'000.- Franken. Rechne.


Die PMS Öffentlichkeitswerbung GmbH aus Stäfa gehört zusammen mit der Fortuna Sportwerbung AG aus Wallisellen zur deutschen Unternehmensgruppe Niederberger von Achim Niederberger in Neustadt. Über den Schweizer Ableger der Fortuna Sportwerbung hat Kassensturz schon 1998 berichtet.


Kassensturz wies nach, dass ein Vertreter der Fortuna Verträge manipulierte. Er erhöhte – nachdem Sponsoren unterschrieben hatten – die Laufzeit der Verträge illegal von einem auf fünf Jahre. Damit mussten die Sponsoren plötzlich das Fünffache des geplanten Betrages bezahlen. Fortuna-Chef Beat Jäger betonte damals, involvierten Mitarbeiter seien nicht mehr bei ihm beschäftigt, solche Fehler könnten heute nicht mehr passieren.


Heute, zwölf Jahre später, fallen Aussendienstmitarbeiter von Fortuna und PMS noch immer mit unsauberen und aggressiven Akquisitionsmethoden auf: In Basel luchste ein PMS-Vertreter dem Angestellten eines kleinen Lebensmittel-Lädelis eine Unterschrift ab.


Der Angestellte, ein Tamile, versteht kaum ein Wort Deutsch. Der gutgläubige Angestellte hatte gedacht, es handle sich beim Papier um eine Unterschriftensammlung. Doch dann war das Lädeli im Kleinbasel plötzlich zum Sponsor geworden und hätte 18'500.- Franken bezahlen müssen.


Das Lädeli im Kleinbasel wollte vom Vertrag mit der PMS zurücktreten. Danach wollte die PMS statt der 18'500.- Franken für allerlei Aufwändungen noch 15'192.- Franken. Ein Witz.


PMS zieht Dutzende Sponsoren vor Gericht

Gegenüber Kassensturz bestätigt ein Insider die aggressiven Verkaufs-Praktiken: «Man muss die Leute über den Tisch ziehen. Man muss etwas verkaufen, was in keinem Verhältnis steht zum Ertrag. 


Beat Jäger ist seit 20 Jahren Chef der Fortuna und seit 13 Jahren Geschäftsführer der PMS. 5000 bis 6000 Verträge schliessen die Firmen jedes Jahr ab. Wer sich betrogen fühlt und nicht bezahlen will bekommt es mit der knallharten Geschäftspraxis von Jäger zu tun. Denn der zieht seine Geschäftspartner regelmässig vor Gericht. Dem «Tagesanzeiger» verriet Jäger, dass er pro Jahr Dutzende Fälle vor dem Friedensrichter aushandelt.


Jägers Verteidigung: Die Anzahl der Gerichtsfälle seien bei der hohen Anzahl der Verträge nicht höher als bei anderen Firmen. Zudem stimmte es nicht, dass sich die PMS mit dem Sponsoring eine Goldene Nase verdiene. PMS «erziele mit den Projekten durchschnittlich einen Gewinn von 10 %, ausnahmsweise wird ein Gewinn von bis zu 15 % erzielt».


Und: «Die Aussendienstmitarbeiter geben sich nicht dahingehend aus, sie seien von der Institution, sie erklären lediglich und berechtigterweise, sie würden im Auftrag und auf Empfehlung der Institution handeln.»


Kommentar von:

K.S.,, Eiken Freitag, 4. Dezember 2015, 20:06 Uhr

Auch wir wurden von dieser Firma so richtig reingelegt. Ein Vertreter der PMS überredete uns Werbung auf einem Defibrillator in unserem Dorf zu machen. Er redete vom plötzlichen Herztod und arbeitete mit der Tränendrüse.


Mona Achermann, 6440 Brunnen Dienstag, 17. März 2015, 07:30 Uhr

Auch ich wurde von dieser Firma reingelegt. Der Vertreter kam und laberte mich voll. Er meinte das es für ein Jahr sei nur Fr. 600.- koste. Die Bäckertüten aber für lange Zeit im Umlauf seien. Leider sagte ich zu!! Als er mich rief um zu unterschreiben, sah ich das es Fr.900.- waren. Er meinte das dies gewisse Unkosten seien etc. Ich zahlte die Rg. und bekam nun eine 2.von Fr.911.-. Mir verschlug es die Sprache, denn die Tüten langen für ca.3 Monate. Dieser Fa. sollte man das Handwerk legen.

R. Poecheim, St. Margarethen Montag, 29. September 2014, 18:23 Uhr

Kann diese Kommentare nur bestätigen. In unser Restaurant kam vor einigen Wochen ein deutscher Vertreter dieser Firma. Sein Auftritt war von Anfang an suspekt, denn er gab sich als Mitarbeiter einer Nachbargemeinde aus wo ein Defibrillator aufgehängt werden sollte. Als meine Geschäftspartnerin kritisch nachzufragen begann, meinte er er müsste im Auto noch was holen. Er verschwand auf Nimmerwiedersehen ohne ein Visitenkärtli hier zu lassen. Dieser Vorfall sagt wohl alles!


Quelle: 

https://www.srf.ch/sendungen/kassensturz-espresso/themen/umwelt-und-verkehr/werbefirma-sackt-sponsorengelder-ein


https://www.tagesanzeiger.ch/zuerich/region/Der-ewige-Klaeger/story/31032599



Adressen:


Firma (alt)

PMS Öffentlichkeitswerbung GmbH

Klaus-Gebert-Strasse 4, 8640 Rapperswil-Jona


Firma (neu)

SAM Swiss Media Advertising and Marketing GmbH

Klaus-Gebert-Strasse 4, 8640 Rapperswil-Jona