04. November 2019

Defibrillator Anwendung bei Frauen

Wenn Frauen einen Herzstillstand erleiden, werden sie nicht so häufig reanimiert wie Männer.

Frauen bekommen seltener eine Herzdruckmassage

Eine schnelle Herzdruckmassage kann Menschenleben retten. Aber viele zögern, die Erste-Hilfe-Massnahme anzuwenden, wie die Studie ergab, die nun bei einem Treffen des Amerikanischen Herzverbandes in Anaheim in Kalifornien vorgestellt wurde. Vor allem bei Frauen. Hier erhielten 39 Prozent derer, die in der Öffentlichkeit einen Herzstillstand erlitten, eine Herz-Lungen-Wiederbelebung. Bei den Männern waren es 45 Prozent, die Überlebenschance insgesamt war um 23 Prozent höher.

 

 

Ist Scham der Grund?

Möglicherweise hemme Scheu, die Brust einer Frau zu berühren, die schnelle Hilfsbereitschaft, vermuten Experten. "Es kann einschüchternd sein, wenn man sich vorstellt, hart und schnell mitten auf eine Frauenbrust zu drücken". "So mancher mag Angst haben, sie zu verletzen."


Vielleicht hätten die Passanten auch Bedenken, die Kleidung einer Frau anzuheben, um besser an die richtige Druckstelle zu kommen, oder die Brüste zu berühren. Bei richtiger Anwendung passiere dies aber gar nicht. "Man legt seine Hände aufs Brustbein, welches in der Mitte der Brust ist. Theoretisch berührt man also die Stelle zwischen den Brüsten."

 

Zögern kann tödlich sein

Dabei könne jedes Zögern tödlich sein, mahnen die Wissenschaftler. "Es ist keine Zeit, zimperlich zu sein, weil es um Leben und Tod geht". Beim Herzstillstand hat das Herz aufgehört zu pumpen, oft wegen Herzrhythmusstörungen. Mehr als 8000 Schweizer erleiden jedes Jahr einen solchen Herzstillstand ausserhalb eines Krankenhauses. Rund 95 Prozent sterben, eine Herz-Lungen-Wiederbelebung kann aber die Überlebenschancen deutlich steigern.


Experten fordern bessere Aufklärung

Den Experten ist indessen klar: dass Aufklärung und Ausbildung verbessert werden müssen. Selbst bei den Übungspuppen, gibt es ein Ungleichgewicht zugunsten der Männer. In der Regel werde an männlichen Dummys geübt.


Der Herzexperte Roger White von der Mayo-Klinik in Rochester im US-Staat Minnesota fordert, alle sollten sich in diesem Zusammenhang der Geschlechterfrage stellen. Er habe schon länger die Sorge, dass grosse Brüste möglicherweise den Einsatz eines Defibrillators erschweren könnten, wenn eine Frau eine solche Schock-Anwendung brauche, um den normalen Herzrhythmus wiederherzustellen.